2004/05 verbrachte ich ein Jahr an der University of Victoria in British Columbia. Da man an Weihnachten zu Hause sein sollte, bei der Familie jedoch beides nicht zu haben war, entschlossen wir uns die zwei Wochen Weihnachtsferein für einen ordentlichen Roadtrip zu nutzen.
Tag 1, 22. Dezember 2004
Noch schnell bei Thrifty Foods Konserven und antibakterielle Feuchttücher gekauft und dann geht es auch schon zur Fähre von Victoria nach Port Angeles, Washington.
Das merkwürdige Geräusch am linken Vorderrad ignorieren wir. Das Auto haben wir 2 Wochen vorher durchchecken lassen. Wir sind die letzten auf der Fähre, mussten vorher noch Fingerabdrücke scannen lassen, und George Bush unser Foto schicken.
Außerdem erwecken drei Ausländer in einem Buick mit BC-Kennzeichen, die nach Mex.. uups USA wollen offenbar immer Verdacht auf Drogen.
Aber alles geht glatt und 90 min später stehen wir mit unserem Auto schon in Port Angeles und beantworten die obligatorischen Fragen: "Wohin geht's?", "Was machen sie in Victoria?", "Warum?"... Highaway 101, Richtung Süden, nebelverhangene Wälder, Holztrucks, links der Ozean, rechts die Olympic Halbinsel. Kurz vor Sonnenuntergang überqueren wir den Columbia River und mit ihm die Grenze zu Oregon. In Eugene stoppen wir in einem der mindestens 37 Motels.
Meine Mandelentzündung bessert sich langsam aber sicher. Ich kann leider nur Rootbeer in der Brauerei von Eugene trinken, weil ich noch auf Antibiotika bin. Bei dem Bier hier hab ich aber sowieso nichts verpasst. Christoph muss sich die Nase zu halten um das Bier zu trinken. Wann gibts mal wieder ordentliches Bier?
In den Clubs ist nun zur Weihnachtszeit tote Hose. Wir treffen zwei Eugener Urgesteine, total besoffen, der eine will uns dauernd umarmen und besprüht den Tisch mit seinem Bier.
Tag 2, 23. Dezember 2004
Weiter gehts nach Süden, Ziel: San Francisco. Aber wir gehen es langsam an. Die Dünen an Oregons Küste sind einige Stopps wert. In einer alten Westernstadtmüssen wir natürlich (wegen Manu) auch halten. Eigentlich sieht hier jeder Ort aus wie im Western, nur dass die Straßen geteert sind und statt Pferden sind Autos unterwegs.
Die Küste hier ist einer der Plätze von denen ich sagen kann, hier würde es mir gefallen. Der Sonnenuntergang ist filmreif, ich untertreibe nicht, jedenfalls nicht für meine Begriffe! Wir fahren weiter in der Dämmerung und in der winterlichen Dunkelheit, die Bäume werden auf einmal zu Mammutbäumen und der Highway heißt nun Redwood Highway. Hier schlagen wir unser Lager auf. Morgen abend werden wir hoffentlich in San Francisco sein. In Kalifornien sind wir schon.
Tag 3, 24. Dezember 2004
Die Straße wird nun so kurvig, wie ich es noch nie gesehen habe. Wir fahren an Ranches mit weißen Zäunen und durch hügelige Wälder. Bilderbuchwetter, milde Luft.
Jeder kennt das Lied von Mendecino, so auch wir. Deshalb müssen wir hier stoppen. Wir bereuen es nicht, Sonnenschein, blauer Himmel, Ruhe. Althippies aus San Francisco mit langen grauen Haaren fahren mit dem Rad durch die malerische Kleinstadt. 200 Meter entfernt bricht sich der Pazifik an der felsigen Küste kaputt. Es wird spürbar wärmer. Auf geht's zum Highway #1, der sich (zeit)verschwenderisch an der Küste entlangschlängelt. Vor diesem Fahrvergnügen sieht jeder Autowerbespot alt aus. Und wir sind mittendrinn! Zwei Stunden vor San Francisco müssen wir noch mal nach dem Weg fragen. Wir verlassen den Highway und landen an einer Kreuzung irgendwo in den grünen Hügeln Nordkaliforniens. Dort befindet sich die Galerie einer Malerin, die uns den kürzesten Weg erklärt, denn wir wollen noch bei Tageslicht ankommen. Letztendlich haben wir sogar das Glück, bei Sonnenuntergang anzukommen!
Wir fahren und fahren und plötzlich, eher als erwartet, taucht hinter den Hügeln die Golden Gate Bridge auf. Da bin ich wieder, in der, meiner Meinung, nach schönsten Stadt der USA.
Bei Sonnenuntergang fahren wir über die Golden Gate Bridge. Hello again, San Francisco! Fuckin' Eh! Unsere Bleibe sollte das HI Hostel werden, untergebracht in einem ehemaligen, erwürdigen, kleinen Hotel, von denen es hier viele gibt, mit Feuerleitern an der Fassade.
Auch hier in San Francisco merkt man, dass an Heiligabend kaum einer weggeht. Noch dazu kommt, dass wir uns in einem Viertel befinden, wo lauter, ziemlich abgefuckt aussehende, Junkies rumlaufen. Was hat uns der Typ aus dem Hostel bloß für eine Wegbeschreibung gegeben?
Tag 4, 25. Dezember 2004
Heute ist Sightseeing angesagt, wichtig für Manu, denn er war noch nie in San Francisco. So durchlaufen wir das Schnellprogramm. Am Fisherman's Wharf einen Parkplatz zu finden ist schwierig, wir parken vor dem Stand eines T-Shirt Verkäufers, der aussieht wie Steve Wonder, und uns dazu drängt bei ihm im Stand vorbeizuschauen, wenn wir parken.
Nur dann passt er auf unser Auto auf... Letztendlich kaufen wir ihm dann drei T-Shirts für 10 Dollar ab. Ansonsten nehmen wir noch die Cable Cars mit, albern auf den Alamo Square herum, fahren durch den Golden Gate Park und nochmal über die Golden Gate Bridge aus der Stadt. Um aus Downtown dorthin zu gelangen brauchen wir zwei Stunden bei dem Verkehr. Es scheint Rush Hour zu sein. So gibt es halt mal Bilder von der Golden Gate Bridge in der Dämmerung.
Bestimmt eine Stunde hocken wir in den Hügeln um Fotos von der Skiline zu machen.
Danach geht's nach Chinatown. Bis Manu und Christoph sich endlich auf ein Restaurant geeinigt haben vergeht bestimmt eine Stunde, meine Geduld wird auf die Probe gestellt, wenn's ums Essen geht... . Man hat aber auch wirklich die Qual der Wahl, alle wollen einen in ihre Gaststätte zerren. Eine Ewigkeit später: Kaum ist das Beef-Curry Stew runtergeschluckt, geht's auch schon weiter, diesmal auf dem langweiligen, aber schnellen Interstate Highway #5, Richtung LA. Es ist nebelig wie in der Waschküche.
Das ist typisch für das Central Valley. Aber es geht zum Glück ja eh nur gradeaus. Cruise Control rein und zurücklehnen. Kurz hinter Bakersfield schlagen wir dann unser Nachtlager auf, das heißt klappen wir die Sitze zurück.
Tag 5, 26. Dezember 2004
Auf geht's nach Süden. San Diego ist unser nächstes Ziel. Aber zwischendurch geht uns auf dem Freeway der Sprit aus. Es geht nichts mehr, keine Servolenkung. Nicht mal die Bremse funktioniert richtig. Wir rollen einen Hügel hinunter. Langsam vergeht uns doch das Lachen. Wir nähern uns zufällig einer Ausfahrt! Und dort befindet sich glücklicherweise auch eine Tankstelle. Der Ölstand ist auch kritisch. Aufgetankt geht es weiter. Der Highway wird 3 und schließlig 4-spurig. Wir nähern uns der Stadt der Engel! Hier kann man sogar zeitweise unter 7 Spuren wählen. Das Wetter ist schön und warm, so entschließen wir uns doch in LA zu halten, jedoch in Long Beach.
Am frühen Abend erreichen wir San Diego. Wir fragen im HI Hostel nach dem Banana Bungalo, der sich direkt am Strand, jedoch etwas ausserhalb, am Mission Beach befindet. Dort ist es zwar schön, aber Manu will lieber nach Downtown, so enden wir wieder im HI Hostel. Auch hier in San Diego ist das Nachtleben 'slow', wie man hier sagt, wegen der Feiertage. Wir enden in einem Club, wo wir die einzigen Weißen zu sein scheinen.
Tag 6, 27. Dezember 2004
Heute ist wieder etwas Sightseeing im sonnigen San Diego angesagt. Es ist wie Frühling, juhu, ich kann die Shorts anziehen. Wir laufen durch die City, zum Harbour Village, ein Touristenmikrokosmos, wie mir scheint, aber nett. Vor uns liegen drei Flugzeugträger der US Navy. Auch die USS Midway, die schon im 2. Weltkrieg diente liegt hier. Sie ist nun ein Museumsschiff. Einige der ehemaligen Besatzungesmitglieder bessern hier nun ihre Rente auf, indenm sie Neugierigen das Schiff zeigen, und unter den neugierigen Kindern gleich Nachwuchs rekrutieren. Auch wir entern das Schiff.
Wenn man in San Diego ist und man zwei Tage extra Zeit hat, die wir leider nicht haben, sollte man auf jeden Fall den weltberühmten, riesigen Zoo und das Aquarium besuchen. Nach der Midway geht's wieder zum Missionbeach, einer der Surfstrände in San Diego. Wir treffen einen Bauarbeiter, der hier ein Haus hat, direkt am Strand (hätte ich auch gern) und mit seiner durchgeknallten Frau und seinem Vater zusammen wohnt.
So ein Haus kostet mindestens eine Million. Dafür bekommt man erst einen Schuppen, dafür aber am Strand von Südkalifornien! Nach etwas Smalltalk machen wir den Katzensprung nach Tijuana, Mexiko. Keine Grenzkontrolle. So dauert es zwei Minuten bis wir peilen, das wir nun in Mexiko sind, es ist ja außerdem auch dunkel.
Tijuana ist eine verdorbene Grenzstadt, jeder Nightclub ist gleichzeitig auch ein Stripclub, und auf den Straßen stehen 16 jährige im Abstand von 20 Metern.
Das ist hier etwa so wie in Böhmen, hinter der deutsch-tschechischen Grenze.
Tag 7, 28. Dezember 2004
Es gießt aus Eimern, die Straßen sind teilweise überflutet. Wir fahren weiter nach Süden, auf dem Highway Mexico #1. Dieser ist, wie sich herausstellen wird die einzige passierbare Fernstra&szli;ße hier in Baja California und scheint noch nicht so alt zu sein. Der Highway schmiegt sich die ersten 100 km die verregnete Küste entlang, dann biegt er in die Kakteenlandschaft des trockeneren Inneren ein.
Wir fahren, es wird dunkel, kein Radioempfang. Wir fahren weitere 100 km, nichts, weitere 100 km, bis wir endlich mal ein Schild sehen. Aha, Baja De Los Angeles, da wollen wir hin.
Wir kommen glücklicherweise irgendwann auch dort an, nachdem unser Auto von Soldaten angehalten und kontrolliert wurde. Der Ort ist eine Ansammlung von kleinen Pensionen und einer Tankstelle, wo man aus Plastikkanistern tanken muss. Wir treffen eine Gruppe Amis. Eine von ihnen hat hier ein Haus und bietet uns an dort zu übernachten, falls wir nichts anderes finden, was soll das heißen? Wir begeben uns auf die Suche, aber erfolglos, alles voll. In der letzten Pension unterhalten wir uns noch eine ganze Weile mit der Eigentümerin. Sie bietet uns an am nächsten Tag mit dem Boot des Italiener (hierher ausgewandert) mit in die Bucht zu fahren. Er schafft ein Paar auf eine Insel und wir könnten dann Blau- und Finnwale sehen, falls das Wetter gut ist. Super! Ich habe kaum noch Pesos oder Dollar und Bank gibt es hier keine, also schlafen wir am Strand. Dort treffen wir auf ein paar Schweizer Eishockeyspieler, die vier Monate lang in Mexico City waren (wie seltsam). Der einsetzende Regen treibt Manu und mich ins Auto zu Christoph, wo ich den besten Platz (hinterm Lenkrad) haben darf. Aber einmal ist jeder an der Reihe.
Tag 8, 29. Dezember 2004
Es ist regnerisch und deshalb wird's nichts mit Whalewatching. Dafür bekommen wir bei der netten Chefin das Frühstück umsonst (!). Wir müssen bemitleidenswert aussehen. Man sagt uns, dass die Straße, die entlang der Ostküste verläuft nun nur mit Allrad passierbar sei. Also müssen wir den Highway #1 wieder zurück fahren. Diesmal sehen wir aber alles bei Tageslicht. Überall stehen riesige Kakteen, Sequoia, und wie sie alle heißen mögen. Da müssen wir uns natürlich auch mal stechen lassen! Das lassen wir uns nicht nehmen.
Unser eigentliches Ziel heißt San Felipe, an der Ostküste. Doch die Zufahrts-"Straße", 70 km lang, ist für unsere Art von Auto nicht geeignet. Wir geben es schließlich auf und entschließen uns nach Ensenada, südlich von Tijuana, zu fahren und danach quer nach Nordosten, nach Mexicali, zur Grenze, zu fahren. Vorher stürzen wir uns ins Nachtleben. Vom Hotelier des Motels (der einer der vielen Schwulen im Gastronomiegewerbe auf unserer Reise ist) bekommen wir ein $87 Zimmer für $50 und einen Magarita gratis.
Zu Essen gibt es wieder mal Tacos und Quesadilias, die aber wie immer sehr gut sind. Auch hier will uns jeder in seinen Laden schleifen und bietet sich an, so wie der Herr, der uns herumführt, sich aber preiswert mit einem Bier zufrieden gibt. Auf jeden Fall sind die Mexikaner sehr freundliche Leute, nicht so korrekt wie anderswo, aber dafür herzlich.
Tag 9, 30. Dezember 2004
Nach der Suche nach Rum und Havannas für Sylvester geht's nach Mexicali durch Bilderbuchlandschaft. Wieder keine Grenzkontrolle. Unser einziges Poblem ist wieder mal der Sprit, beinahe müssen wir das Auto über die Grenze schieben. Der Grund: keine Pesos mehr. Aber wir schaffen's noch bis Calexico (vergleiche mit Mexicali), wo wir auftanken. Hier wird fast ausschließlig Spanisch gesprochen. Wir fahren noch ca. 4 Stunden entlang der California/Mexico-Linie, die durch den Colorado gebildet wird. In Needles stoppen wir. Dort ein Motel zu finden, kostet etwas mehr Zeit als sonst, es ist spät und wir trafen einigemerkwürdige Persöhnlichkeiten. So war z.B. der Manager des ersten Motels, im Unterhemd und seiner kleinen Katze einer davon. Er meint wir sollen morgen früh wieder kommen (:)). Schließlig haben wir dann doch in einem Motel das Glück, vor Sylvester in einem Bett schlafen zu können.
Tag 10, 31. Dezember 2004
Auf geht's nach Vegas! Jedoch werden wir die Stadt bei Tag erreichen. Auf einem Stück der alten Route 66 geht's durch die weite Mojave Wüste, die Black Mountains zur rechten. In Boulder City tanken wir noch mal auf. Wenig später taucht die "Welthauptstadt des Entertainment", mitten in der Wüste gelegen, vor unseren Augen auf. Der Strip, Las Vegas' Hauptmeile, soll am Abend gesperrt sein. Wir haben sogar noch das Glück, in einem ranzigen Motel, unweit der ehrwürdigen Fremontstreet (Die jetzt mit einem gigantischen
Lichtertunnel überspannt ist) unterzukommen, zum Spottpreis von 140 Dollar für ein Zimmer mit einem Bett. Aber egal, am frühen Nachmittag geht's sowieso auf die Piste, nach zwei Hotdogs für $1,29. Die Straßen sind voller Menschen, statt Autos. Die Hotelcasinos sind beeindruckend. Eines sieht aus wie die Skyline von Manhattan und heißt New York New York, das andere wie Venedig. Ein wieder anderes sieht aus wie Paris. Sogar Alkohol darf man (aus Plastikflaschen) auf den Straßen trinken. Die Menschen sind ausgelassen und friedlich und kontaktfreudig. Christoph verfällt dem Spielen, nicht zuletzt weil man da Drinks umsonst serviert kriegt.
Manu verliere ich auch zwischendurch, weil ich anderweitig abgelenkt bin...
Tag 11, 1. Januar 2005
Um 11 Uhr müssen wir auschecken, wie grausam am Neujahrstag. Aber wozu gibt's Sonnenbrillen. Wenigstens scheint die Sonne und wir gehen noch einmal Souvenirs kaufen und ein Katerfrühstück einnehmen. In einem Laden bleiben wir bei der Verkäuferin aus Adelaide hängen. Wir wollen noch zum Hoover Damm. Dazu müssen wir zurück nach Boulder City. Der Damm ist die Grenze zwischen Nevada und Arizona sowie der Pacific- und der Mountain-Zeitzone. Mittlerweile ist es 5 Uhr (oder 6 Uhr 20 Meter weiter) und die Sonne geht unter, das ist der Nachteil, wenn man im Winter unterwegs ist. Das heißt dann, wir werden im Dunkeln durch das Death Valley fahren (ooh, wie gruselig) und es nur im dunkeln höhren (oder besser gesagt nicht hören) können. So klar wie hier hab ich die Milchstraße noch nie gesehen. Es ist absolute Stille. Nicht mal der Wind ist zu hören. Ab und zu müssen wir einen Kojoten ausweichen, oder einen bei seinem Geschäft am Straßenrand zuschauen. Wir machen Halt an einer Schlucht, nahe einem Grabmal, das Christoph und Manu Angst einzuflösen scheint.
Nebel zieht auf.
Tag 12, 2. Januar 2005
Sonntag, 8 Uhr morgens. Christoph steht auf. Ich dreh mich noch mal rum auf der Rückbank. Weiter geht's auf dem Highway 190. In der Ferne tuen sich die weißen Gipfel der Sierra Nevada auf. Die Wüste wird weiß. Wir befinden uns auf ca. 4000 Fuß, bis wir 6000 erreichen (ca. 2000 m). Die folgenden Städtchen sehen aus, als befänden wir uns in Bonanza. (US-)amerikanischer geht's kaum noch, glaube ich. Die Weiterfahrt soll ein Problem darstellen. Plötzlich ist der Straßenrand übersät mit Fahrzeugen, die Schneeketten installieren. "Snow Chains required" sagen die Schilder. Pah! Wir fahren weiter. 5 km später wird die Straße dann eisig und ziemlich verschneit, sodass wir anhalten und die Schneeketten auspacken. Doch mit unseren Kettchen würden die nächsten 100 Meilen 4 Stunden dauern. So entschließen wir uns umzukehren und auf dem Highway #6 einen Bogen durch Nevada in Richtung Reno zu schlagen. Die Entfernungen scheinen endlos zu werden. Am Walker See stoppen wir kurz. Lake Tahoe müssen wir wegen dem Schnee auslassen. Aber wir entkommen dem Schnee nicht, wir klettern höher. In Reno kann man sehen, durch was sich die Schneefräsen fressen mussten. Eine Neonstadt im Schnee versunken. In Susanville nehmen wir den Highway #44, der durch die Cascades führt. Wir fahren und fahren und fahren. Ich frage einen Truckfahrer der aus der Richtung kommt wie die Straße sei. Er meint die ganze Zeit: "You might be all right!". Mit 35 Meilen in der Stunde geht's durch den Schnee, sodass wir ewig brauchen, um Redding zu erreichen.
Es geht lange durch die tief verschneiten Wälder der Sierra Nevada. Jeden Moment scheint Ben Cartwright mit seinen Jungs entlanggeritten zu kommen.
Irgendwann erreichen wir Redding, im Norden von Kalifornien. Hier geht es endlich bergab und der Schnee in Regen über. Endlich erreichen wir den Interstate, um etwas Speed zu machen. Falsch gedacht. Nach 30 min geht's auch hier nur noch im Zuckeltempo durch den frischen Schnee, vorbei am Mt. Shasta, einer der schönen, aber gefährlichen Vulkane der Cascades. Manu ist nicht tot zu kriegen und so fahren wir noch bis 3 Uhr. Nach 15 Stunden Fahrt und über 700 Meilen halten wir dann an einem Fluß irgendwo in Südoregon an der Interstate 5. Es sind nur noch 170 Meilen bis Portland.
Tag 13, 3. Januar 2005
Durchgefroren geht es wieder auf die Interstate 5 nach Portland. Hier kommen wir gegen Mittag an. Wir befinden uns dem Pazifik wieder spürbar nahe. Die Sonne scheint, und wir verweilen für zwei Stunden. Portland ist 'ne nette, unter anderem Universitätsstadt. Sie ist schön gelegen. Mt. Rainier und der gesprengte Mt. St. Helens sind in Sichtweite. Weiter geht's nach Port Angeles, nur noch 5 Stunden. Wir jedoch, brauchen etwas länger: In Olympia fahren wir auf den Highway #101 Richtung Port Angeles und passieren eine Unfallstelle. Eine Stunde später fahren wir auf mysteriöser Weise wieder an der gleichen Unfallstelle vorbei. Wieder dieses verd$$$$$ Olympia. Irgendwo auf der Olympic Halbinsel fällt Christoph ein, dass seine Brieftasche weg ist. Nach eine Viertelstunde durchkämmen des Innenraumes unseres, durch zwei Wochen Roadtrips gezeichneten Buicks, ist auch das Problem gelöst. Um halb acht kommen wir wieder in Port Angeles an. Unsere Fähre geht 8:20 Uhr am nächsten Morgen.
Alles was man hier abends machen kann ist entweder um 7 Uhr in die letzte Kinovorstellung zu gehen, oder stattdessen zur gleichen Zeit was essen gehen, denn danach haben hier alle Essenausgabestellen geschlossen. Da es für den Film schon zu spät ist, essen wir beim Chinesen, der wie die meisten Restaurants auf unserer Reise nicht teuer ist.
Tag 14, 4. Januar 2005
Im Auto ist das Wasser an den Scheiben gefroren, der kälteste Morgen bis jetzt. Wir fahren schnell zur Fähre, Morgentoilette auf der Fähre. 90 Minuten später stehen wir mit unserem (verdreckten aber intakten) Auto wieder in Victoria und beantworten die üblichen Fragen, nach 7500 km durch die USA und Mexico.
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